Immer öfter widerfahren mir Begebenheiten, die mich mich fragen lassen, ob ich vielleicht nicht doch versehentlich aus dem Jahrhundert gefallen bin und es noch nicht bemerkt habe. So wie, wenn man irgendwann aus Forschungszwecken eingefroren wurde und nun nach Jahrzehnten wieder auftaut, sich die Augen reibend, wundernd, in welche Realität man denn da hineingeraten ist. Man kommt irgendwie nicht ganz mit.

Dornröschens Schicksal fällt mir in diesem Zusammenhang ein, und erst jetzt erkenne ich, wie zutiefst verstörend das auf die arme Prinzessin gewirkt haben muss, nach hundert Jahren wieder aufzuwachen – alle Familienmitglieder tot, aber glücklicherweise hat sich an den gesellschaftlichen Gegebenheiten ja nicht so wahnsinnig viel verändert – keine Revolution in der Zwischenzeit, Monarchie immer noch angesagt, Prinzessin durfte sie bleiben, und da auch die Gleichberechtigung noch mindestens hundert Jahre auf sich warten ließ, hinterfragte sie ihr Schicksal auch nach zehn Dekaden nicht, und heiratete freudestrahlend ihren Prinzen.

Ganz so drastisch stellt sich das in meinem normalen Leben natürlich nicht dar. Es sind eher die kleinen Anzeichen auf dem Weg, die ich ganz lange ignoriert habe. Erst kennt keiner mehr Peter Frankenfeld, die Abkürzung „EWG“ wird nurmehr mit dem europäischen Wirtschaftsraum in Zusammenhang gebracht, aber keinesfalls mit einer Samstagabendshow, und irgendwann wird dann die Samstagabendshow an sich überflüssig, weil die neue Generation das die Nation verbindende Sonnabendevent nicht mehr braucht.

Ich habe mir diese, meine Entwicklung, lange Zeit schönreden können, weil ich quasi schon alt auf die Welt gekommen bin.

Als Einzelkind unter Erwachsenen ein häufiger Effekt, welcher noch dadurch verstärkt wurde, dass ich vom dritten bis siebten Lebensjahr bei meinen Großeltern aufgewachsen bin. Peter Alexander war mein Held. Es heißt zwar immer, dass jeder ein Kind seiner Zeit wäre, ich bin hingegen mental eher Kind der 50er Jahre gewesen.

So daran gewöhnt, dass die meisten Gleichaltrigen sowieso nur die Hälfte der Fakten kennen, auf die ich mich beziehe, war es für mich in gewisser Weise normal, sonderbar oder besonders so sein. Es war klar, dass mich nicht alle verstehen, aber zumindest wusste ich, was die anderen meinen – und das generationenübergreifend. Ich habe mich also eher im Wissensvorteil gefühlt.

Wenn Du aber die Zeitgenossen an einer Hand abzählen kannst, die sich erinnern, dass Twix auch einmal Raider hieß, Herr Kaiser schon lange nicht mehr mit großem und fröhlichem Hallo begrüßt wird, und Krisskross nur noch mit dem Zusatz „Amsterdam“ gebraucht wird, dann kommst Du ins Grübeln.

Es ist nämlich schon lange nicht mehr so, dass meine Allgemeinbildung das Beste aller Welten vereint. Das tat sie nur so lange, wie man noch von einer Allgemeinheit sprechen konnte, die über ein ähnliches Bewusstsein und den gleichen Wertekanon verfügt. Das quantitative Moment ist hierbei immanent, und so empfinde ich mich mit zunehmendem Alter auch immer weiter außen vor.

Mit meinem Schicksal bin ich gewiss nicht allein. Die Gesellschaft überaltert ja ob des medizinischen Fortschritts und der verbesserten Lebensbedingungen geradezu. Schizophrener Weise nimmt die Bereitschaft, sich mit seinem Alter abzufinden, aber immer weiter ab. So ist man kaum mehr vor Rentnerrudeln sicher, die in affenartiger Geschwindigkeit mit ihren E-bikes Berg und Tal erklimmen. 60 ist das neue 30. Und alle sehen großartig aus, knackig, fit und teils geliftet. Da viele aber nicht nur äußerlich mit der Generation Y, Millenium oder wie sie alle heißen, mithalten wollen, wird psychologisch verständlich, aber für mich wenig hilfreich, die eigene Epoche gleich mit verdrängt, mindestens aber vertuscht – an wenig erkennt man das wahre Alter mehr als an Erfahrung. Und wer gibt schon gerne zu, ein alter Sack zu sein?

Ich habe damit kein Problem. Mir mangelt es nur an Gleichgesinnten.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich gefährdet bin, mich in eine Alters- und Erfahrungsarroganz zu versteigen. Es gibt wenig, das ich nicht schon einmal gehört habe und viel schon Erlebtes. Nichts Menschliches ist mir fremd, und überraschen kann mich schon seit längerer Zeit gar nichts mehr, seien es Modetrends, politische Zusammenhänge und Machenschaften, wirtschaftliche Bankrotterklärungen und Mechanismen, Idole, Stars, Despoten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich bei mir immer mehr und mehr die Grundüberzeugung verfestigt, alles am besten selbst zu wissen und zu können. Das macht das Dasein zwar gelassener und entspannter, aber auch langweiliger.

Also, wie komme ich raus aus dem Dilemma? Ich könnte mich einfach mal auf Neues einlassen.

Das Problem ist nur, dass für mich vieles vermeintlich Niedagewesenes eben doch nur eine Variation von bereits Verhackstücktem ist.

Es gibt natürlich die neuen Medien, denen ich mich verschreiben könnte, aber hier stehen mir meine Sturheit und meine inneren Werte im Weg. Ich habe überhaupt kein Interesse daran, mich und mein Leben möglichst optimal darzustellen, ich erlebe es lieber. Ich will mich auch nicht mit noch mehr Äußerlichkeiten beschäftigen müssen. Ich habe sowieso schon genug damit zu tun, nützliche Informationen aus dem (Main)streameinerlei zu filtern. Außerdem ist mir schleierhaft, wieso manche Menschen, Biographien, Vorlieben und Bilder freiwillig mit Gott und der Welt teilen, für deren Beschaffung und Verwertung man früher ein ganzes Staatssicherheitsministerium unterhalten hat.

Wenn ich derlei durchaus kritische Bedenken äußere, dann schaut mich mein Gegenüber an, als hätte er es mit einem außerirdischen Dinosaurier zu tun, fassungslos, kopfschüttelnd, bestenfalls milde lächelnd angesichts der sich jedem technischen Fortschritt verschließenden Altersstarrsinnigen.

In dem Maße wie ich die Welt nicht mehr wiedererkenne, versteht die Welt mich auch nicht mehr. Vielleicht sollte ich ein Instrument erlernen, da hat sich im Laufe der Zeit, glaube ich, nicht viel am Verfahren geändert, oder eine neue Sprache. Vielleicht sollte ich Bienen züchten. Vielleicht sollte ich eine Protestpartei gründen oder noch mehr Känguru-Chroniken hören.

Oder ich lebe einfach mit meinen Kindern zusammen, präge sie und gebe mein antiquiertes Wissen und meine reaktionären Bedenken, die früher fortschrittlich waren, an sie weiter.

Erste Erfolge konnte ich schon erzielen. Wann immer beiläufig in irgendeinem Zusammenhang das gängige Wort für eine Grenzbefestigung fällt, antwortet mein Sohn manchmal kichernd, manchmal genervt, weil er es schon so oft hören musste, und im schönsten Walter Ulbricht Slang: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“

Das Leben ist schon schwer genug, ein Ponyhof ist es sowieso nicht. Es ist eine Reise mit ungewissem Ausgang. Der Weg ist das Ziel. Es kostet mich oft mehr, als ich verdien`, um mit Peter Cornelius zu sprechen – reif für die Insel bin I scho lang. Es ist ein Zickzack- und ein Dauerlauf.

Umso wichtiger ist es, dass man in diesem täglichen Tollhaus neben einigen Oasen auch ein paar menschliche Lebenserleichterer findet, und damit meine ich nicht die guten Geister, wie Kita und GBS-erzieher, Putzfrauen, Postboten, Müllmänner, Sbahnfahrer … und REWE Online, ohne die wir in unserem Alltag überhaupt gar nicht über die Runden kommen würden. Ich meine heute die Menschen, die unser Dasein dadurch, dass sie sind, wie sie sind, schon wesentlich angenehmer gestalten.

Man kann diesen Personenkreis gut abgrenzen von jenen, die die Gabe haben, alles um ein Vielfaches komplizierter zu machen, als es ist. Diese Spezies Mensch erkennt man in der Regel schon daran, dass es nahezu unmöglich ist, sich auf einen Termin für ein Treffen oder irgendetwas anderes zu einigen. Damit einhergehend ist fast immer das Fehlen von Humor und notorisches Schwarzsehen. Lebenserleichterer sind auch die nicht, die einfach nicht mitdenken, ja fast schon als weltfremd und alles andere als empathisch zu bezeichnen sind, und dadurch Ihre Umwelt, sollte es sich nicht vermeiden lassen, kooperieren zu müssen, in logistische Dilemmata stürzen. Logische Grundprinzipien können hier nicht vorausgesetzt werden – man wundert sich immer wieder. Oft bin ich dann aber die einzige, die sich wundert, denn mein Gegenüber ist über jegliche Selbstreflektion erhaben, was schon fast wieder bewundernswert ist. Diese Fähigkeit kann das Leben auch leichter machen.

Die Menschen, die ich meine und über die ich heute schreiben will, sind für mich solche, die mir durch ihre positiv und überaus sympathische Art, ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, die mit mir und über mich lachen, auf die ich mich verlassen kann, denen ich erläutern kann, was ich meine, und die das dann auch verstehen. Manchmal muss ich nicht einmal etwas erklären, und sie verstehen trotzdem. Das heißt nicht, dass man immer gleicher Meinung ist, aber das grundsätzliche Wohlwollen füreinander ist da.

Diejenigen, die mir das Dasein ebnen, zeichnet aus, dass sie pfiffig und geistig rege sind, was für mich keinen bestimmten IQ beinhaltet, sondern einfach die Bereitschaft, offen zu bleiben, und auch ´mal Verrücktes oder Unkonventionelles zuzulassen.

Ein gewisses Maß an Toleranz haben diese Leute – schon, weil sie mir das Leben erleichtern, was bestimmt auch nicht immer einfach ist. Im Idealfall haben sie noch die Gelassenheit, mir zu sagen, dass alles nicht so schlimm ist, und unterstützen mich gleichzeitig so weit, dass ich es auch glaube. Sie akzeptieren meine Macken, lassen mir aber auch nicht alles durchgehen. Manchmal wissen Sie ungefragt, was ich in diesem Moment brauche, und auch, womit man mich jetzt gerade besser in Ruhe lässt.

Es ist ein bisschen viel verlangt, das alles von einem einzigen Menschen zu erwarten. Ich habe glücklicherweise meine Lebenserleichterer in ganz verschiedenen Bereichen und Ecken meines Lebens. Sie sind in ganz unterschiedlichen Aspekten für mich da, und einigen möchte ich heute einmal danke sagen!

Ja, liebe Mama, lieber T., liebe Kollegin, liebes C., liebe K. und liebe U., lieber B. und liebe S. – fühl Dich ruhig angesprochen! Schön, dass es Dich gibt, um mit Herbert Grönemeyer zu sprechen.

Totensonntag hat die Farbe von Weinbrand und riecht nach Kölnisch Wasser 4711. Er ist mit großgemusterten Blumentapeten in allerlei Brauntönen tapeziert, deren Übergänge meist nicht ganz akkurat genau getroffen sind. Am Ewigkeitssonntag weht mir eine Erinnerung von Schinkenfleckerl, Dotsch mit Leber- und Blutwurst und Sauerkraut um die Nase. Totensonntag fühlt sich an, wie ein heißes Fußbad im Putzeimer nach einer langen Wanderung in Tirschen- oder Rupprechtsreuth. Er hüllt mich in Hormocenta und schmeckt nach Schwarzwälderkirschtorte und sanftem Engel. Von unten aus meinem Musikbewusstsein höre ich  Glenn Millers „In the Mood“ anschwellend heraufsteigen. Die 12 Takte zähle ich automatisch mit und erinnere mich daran, dass es Geduld und Timing braucht, um im richtigen Moment laut auszuholen, obwohl ich nie selbst Schlagzeug gespielt habe.

Totensonntag lässt mich gewahr werden, dass ich schon immer geliebt wurde und wie aus mir der Mensch werden konnte, der ich heute bin. Er erinnert mich daran, woher meiner Vorliebe für expressionistische Malerei, aber auch die schon fast zwanghafte Affinität für die Unbegreiflichkeiten des dritten Reichs kommt, meine Intelligenz, mein Humor und meine Wunden. Er erzählt von Freitagstelefonaten, Kultururlaubreisegruppen, Diskussionen und Kirwakuchen.

Ich bin erfüllt von Dankbarkeit, süßem Schmerz und Versöhnung –

und zünde in der Dunkelheit drei Kerzen an.

R.I.P

Eine lästige, hartnäckige Erkältung, die ich seit ein paar Wochen mit mir herumschleppe, hat sich zur Bronchitis ausgewachsen und so sind Mann und Söhne ohne mich zum Wochenendbesuch bei den Großeltern aufgebrochen.

Seit gestern Nachmittag bin ich allein im Familiendomizil. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten – so viel Ruhe, aber ich bin eigentlich immer noch auf dem Sprung, konditioniert darauf, Zeit sinnvoll zu nutzen, was aber der Rekonvaleszenz so gar nicht dient, und was machen wohl meine Kinder, mein Mann? Wie kommen sie ohne mich zurecht? Und komme ich überhaupt ohne sie zurecht? – fühle ich mich in die 20er zurückversetzt.

Das mag zum Einen darin liegen, dass ich mittlerweile fast die komplette erste Staffel von Babylon Berlin in der Mediathek nachgeschaut habe, die in den 1920er Jahren spielt – zu empfehlen!- zum Anderen aber sicher daran, dass dieses Wochenende so viel mehr denen in meinen 20ern gleicht als die meisten anderen der letzten 10 Jahre.

Ich war ziemlich Anfang 30, als ich meinen ersten Sohn zur Welt gebracht habe. Seitdem hat sich mein und unser Leben komplett verändert.

Früher durfte uns am Wochenende niemand vor 11 Uhr anrufen, weil wir vorher wahrscheinlich noch gar nicht wach waren bzw. in jedem Fall den Vormittag im Bett verschlunzt haben. Gefrühstückt haben wir meist gegen Mittag. Frühestens nachmittags hat es uns nach draußen verschlagen zum Kaffeetrinken, Lesen und Im-Park-sitzen, meist im Hofgarten an einem Springbrunnen. Am frühen Abend haben wir dann geshoppt, bevor wir wieder heim sind, Pizza bestellt  und mit Freunden  bis in die frühen Morgenstunden geratscht und getrunken haben.

Sonntags lagen wir oft faul auf dem Sofa und haben uns stundenlang durch unsere Lieblingsserien und -filme geschaut, bevor wir am späten Nachmittag zum Kaffetrinken und ein bisschen Spazierengehen doch noch einmal vor die Tür getreten sind.

Das waren typische Nichts-tu-wochenenden. Die Zeit ist einfach so dahingeflossen ohne Effizienz und Abhaklisten, ohne Organisation, Kindergeschrei, Geschwisterstreit, ohne regelmäßige und möglichst nahrhafte Mahlzeiten, Ermahnungen, Erinnerungen, Hausputz, Pläne und Verantwortung.

Ein bisschen davon gibt es für mich dieses Wochenende wieder. Ich werde zwar nicht zu lange aufbleiben und auch nicht trinken, weil sich das nicht mit Bronchitis und Antibiotika verträgt, aber ansonsten ähnlich gechillt durch den Tag wabern, in jedem Fall meine Augen viereckig fernsehen und dann und wann draußen spazieren gehen. Mal sehen, wie es mir dann morgen geht;-)

Eure VME

Solch einen Sommer muss Rudi Carrell herbeigesehnt haben, als er vor mehr als 40 Jahren seinen Hit schrieb. Es war ein toller Sommer mit Sonnenschein von Mai bis jetzt, und wer weiß wie es noch so weiter geht. Und selbst, wenn das jetzt alles gewesen ist, war schon lange kein Sommer mehr so schön wie dieser!

Sonnenschein satt, Wärme ohne Ende, tropische Temperaturen, aber auch Ackerdürre – auch wenn es mir für die Agrarökonomen leid tut, ich bin weitab davon, mich zu beklagen. Diese Jahreszeit hat 2018 so gut getan  – dem Gemüt, dem Stoffwechsel, der Seele. Jeden freien Nachmittag baden in der Elbe, Waldspaziergänge im Schatten, Ponyreiten, grillen, an den Ostseestrand fahren und planschen, im Freizeitpark ganztägig nass werden, was so gar nichts macht, weil man ohnehin gleich wieder trocknet, im Maislabyrinth umherirren, Kuchen essen und Kaffee trinken, Radtouren machen, Boot fahren, im Schatten liegen und lesen. Die Sonne wärmt die Laune und den Körper, endlich mal endlos Sommerkleider tragen, sich Sandalenblasen erlaufen oder erstehen, Eis essen, Aperol Veneto trinken, ins Freibad gehen und Pommesgeruch schnuppern, Urlaub machen in Österreich mit genau dem gleichen Traumwetter, in den Walchsee springen, vormittags bergwandern, weil es am Nachmittag schon viel zu heiß dafür ist, Eis zur Abkühlung und Kaiserschmarrn – ich habe es in vollen Zügen genossen!

Da Sommer wie diese so selten sind, habe ich mich auch nie über die Hitze beschwert, selbst mit Schüttelfrost bei 35 Grad Außentemperatur nicht, denn auch so eine Sommergrippe gehört dazu, wenn Seen und Meere schon so aufgeheizt sind, dass sich die Bakterien explosionsartig vermehren – auch die hatten einen hervorragenden Sommer!

Der entschädigt für vieles – ich will noch gar nicht an den tristen Herbst und den langen, kalten Winter denken, der uns bevorstehen könnte –  bis jetzt habe ich so viel Vitamin D getankt, dass es mich schon ein paar Wochen über die Runden kommen lässt. Meine schlechte Laune hebe ich mir für später auf. Dann kann ich ja immer noch mit Freuden zurückdenken an diesen Jahrhundertsommer!

Eure VME

PS: Die Antwort ist „jetzt!“,  Rudi – eben noch gedacht und jetzt auf unserer Showbühne, sprich real;-)!

Es gibt sie von Zeit zu Zeit diese Zeiten, in denen mir alles zu viel wird.

Meist merke ich es erst dann, wenn ich regelmäßig schon beim vorabendlichen Dinotruxschauen neben meinem begeisterten Kleinen auf dem Sofa einschlafe, während später zu meiner gewöhnlichen Schlafenszeit das Gedankenkarussell kreiselt.

Ich merke es daran, dass meine persönliche Zündschnur bedenklich kurz wird, was sich in plötzlichen und ungewohnt heftigen, über den Rest der Familie hereinbrechenden Gereiztheiten äußert, die meist mit lauten Unmutbekundungen in hoher Tonlage einhergehen.

Normalerweise klopft zudem das Unzufriedenheitsmännchen meiner Freundin Manu dann auch lautstark an meine Tür und in meinem Kopf, was dazu führen kann, dass ich meinen gesamten Lebensentwurf irrational in Frage stelle.

Unglücklicherweise treten solche Phasen leider häufig reziprok auf, was bedeutet, dass es zu diesen Unzeiten nicht nur mir, sondern auch meinem privaten und beruflichen Umfeld ähnlich ergeht, so dass es fast unmöglich wird, dass irgendjemand, irgendwem etwas recht macht, was die Situation noch verschärft.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in diesen Zeiten besonders wichtig ist, mich auf meine Oasen zu besinnen und diese regelmäßig aufzusuchen, damit ich wieder ein bisschen mehr in meine Mitte komme – auch wenn ich dafür eigentlich gar keine Zeit habe. Das ist gar nicht so leicht, wenn man schon mitten im Stress feststeckt.

Meine erste Herausforderung war es zunächst, überhaupt herauszufinden, was meine Oasen sind, d.h. Dinge, die mir gut tun, die mir Freude machen, die mich runterbringen, die mir helfen. Das kann für den Einzelnen sehr unterschiedlich sein, und oft hat man beim alltäglichen Funktionieren das Gefühl dafür verloren, was man gerne tut.

Mir hilft es zum Beispiel zu laufen, um nicht zu sagen, zu rennen. Die Mischung aus körperlichem An-die-Grenzen-gehen, schwitzen, Bewegung, Den-Kopf-frei-bekommen, frischer Luft und jedenfalls ein wenig natürlicher Lichteinstrahlung tut mir so gut, dass ich dieser Fortbewegungsart einen eigenen Beitrag gewidmet habe. Man muss sich nur aufraffen, was umso leichter fällt, je häufiger man es tut.

Ein verlässlicher Dauerbrenner für mein leibliches und seelisches Wohl ist außerdem ein halber Tag in der Therme. Ich liege dabei gerne in der heißesten Sauna, oftmals auf der obersten Bank und mache einen Gang nach dem anderen, unterbrochen von mindestens genauso langen Ruhepausen, in denen ich das wohlige Gefühl genieße, von außen und innen total erwärmt worden zu sein. Es dauert je nach Stresslevel zwar ein paar Durchgänge, bis ich annähernd abschalten kann, aber bisher bin ich noch immer entspannter aus der Saunenlandschaft herausgekommen als hinein. Wenn ich sehr gut zu mir sein will und kann, gönne ich mir noch eine Massage. Dann versuche ich, locker zu lassen, und mich einmal ganz auf jemand anderen zu verlassen, der sich um mich kümmert.

In corpore sano habe ich damit schon viel für mich erreicht. Den geistigen Kick, ein regelrechtes Flowerlebnis beschert mir oft ein Besuch im Museum. Insbesondere expressionistische Gemälde lassen mich heim zu mir kommen. Als wir noch in München wohnten, war ich im tristen Herbst unzählige Sonntage in der Neuen Pinakothek und bin danach immer besser gelaunt, manchmal regelrecht erfrischt nach Hause gekommen. Das hat bei mir sicher auch mit Biografie zu tun, vielleicht ist mein Gehirn auch so gestrickt, dass es sich hier am besten „ausruhen“ kann – gesunde Impulse sozusagen. Im Grunde ist die Erklärung egal, solange es funktioniert!

Ein Perspektivenwechsel ist auch recht heilsam für mich. Dafür vergrabe ich mich gerne in Biografien von bekannten Persönlichkeiten, die ich interessant finde. Wenn es mir gelingt, mich davon freizumachen, deren Schicksale auf meine Lebenssituation beziehen und hauptsächlich Gemeinsamkeiten finden zu wollen, kann ich meine eigene Einbahnstraße ganz gut verlassen, was vieles relativiert. Noch besser gelingt es übrigens, wenn ich Biografien lese, auf die ich zufällig ohne große Bewunderung für die beschriebene Person oder das beschriebene Leben gestoßen bin. Das mag daran liegen, dass ich meinen eigenen Kosmos in diesen Fällen eben nicht durch die Hintertür mit hineinbringen kann. Überhaupt sind Bücher und Bibliotheksstöberei meine kleinen Helfer.

Eine meiner größten Kraftquellen ist und bleibt, Zeit mit Menschen zu verbringen, die ich mag, und die mir wohlgesonnen sind, gerne auch mit solchen dieser Spezies, die ich seit Ewigkeiten nicht gesehen oder gesprochen habe. Im Anknüpfen sind wir gut. Die Kunst ist, dass ich mich auch in hektischen Phasen darauf einlasse, sowohl auf die Personen als auch auf den Moment. Da ist ein wenig Lockerlassen gefragt und nicht zielgerichtete Zeitinvestition.

Das braucht es im Übrigen für alle Oasen – und da liegt auch schon die Krux, wenn man das Gefühl hat, eh keine Minute erübrigen und niemals alles schaffen zu können.

Andererseits, wenn man es sowieso nicht schaffen kann, spricht auch nichts dagegen, ab und an in einer Oase zu verweilen, um sich zu stärken, damit man am Ende nicht selbst total geschafft und ausgedörrt ist.

In diesem Sinne, suchet und findet Oasen!

Was sind Eure Oasen?

Wobei entspannt Ihr?

Was macht Euch Freude?

Eure VME

PS: https://www.pinakothek.de/sammlung/rundgang-neue-pinakothek

 

Nun ist mein „drittes Baby“ schon ein Jahr alt! Es ist gewachsen, hat dazu gelernt, ist schön und bunt geworden, kann laufen – auch und gerade im Zickzacklauf – und hat seinen Platz gefunden, in der virtuellen Welt und in meinem Alltag.

Ursprünglich nur als Anlass zum Schreiben gedacht, um nicht aus der Übung zu kommen und diese Sehnsucht nicht vollends verkümmern zu lassen, bin ich mittlerweile ganz schön stolz auf meinen kleinen Blog, nicht zuletzt, weil er mir total entspricht.

Wir sind hauptsächlich zwischen den zwei großen Eckpunkten „Familie“ und „Beruf“ hin und her gerannt, haben nebenbei so einiges über mich und Euch entdeckt, manches ist auch auf der Strecke geblieben, zwischendurch war es sowohl individuell als auch spießig.

Zeit zu feiern! Zeit, danke zu sagen!

Ich möchte Euch, die Ihr uns begleitet habt, danken! Danke fürs Lesen, für Eure Kommentare, für Euren Zuspruch, der auch bei mir angekommen ist, wenn er sich nicht auf der Seite verewigt hat, danke für die Gedanken und Anregungen und natürlich auch danke fürs Weitersagen und Empfehlen!

Und weil zu jeder Geburtstagsfeier auch Geschenke gehören, erweitere ich um eine weitere Kategorie, die „Miniaturwunderland“ heißen wird. Schaut mal rein!

Weiter geht´s! Kommt mit!

Eure VME

Neulich war ich auf der Geburtstagsfeier meiner Freundin C. in Elmshorn. Sie hat in ihr Wiegenfest hinein gefeiert. Ihr Mann ist einer meiner besten Freunde aus Schulzeiten. Wir haben zusammen Abi gemacht – vor 20 Jahren… Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir einer Generation angehören, und unter den Gästen waren noch so einige, die dieses Schicksal mit uns teilen, vereinzelt sogar die gleiche weiterführende Schule.

Neben schönen, lustigen, vertrauten, albernen Gesprächen fand ich es besonders toll, dass sich ein Team von jungen Leuten bereit erklärt hatte, die Rolle des DJ zu übernehmen, und eine Tanzfläche gab es auch!

Man tanzt ja viel zu selten, daher war ich voller Freude, als einige Mutige den Tanzreigen eröffneten. Beim ersten für mich passenden Lied habe ich mich eiligst angeschlossen. Wir haben zu Nirvana gegrunget, „Losing my religion“ auch vollständig mitgesungen, und spätestens bei „Killing in the name of“ sind dann alle Dämme gebrochen, und ich habe mich wieder wie 16 gefühlt und auch so getanzt. Das Lustige ist, dass man sogar den Tanzstil seiner Mitgenerationler ganz klar wiedererkennen und seiner Jugend zuordnen kann, teilweise sogar konkreten Diskotheken (ROXY FOREVER!).

Es war ein wunderbarer Abend, eine rauschende Feier und der willkommene Anlass, den Soundtrack meines Lebens weiter zu ergänzen:

  • Killing in the name of (Rage Against the Machine, 1991)
  • Losing my religion (R.E.M., 1991)
  • Entre dos tierras (Heroes del Silencio, 1990)
  • Midlife Crisis (Faith No More, 1992)
  • Passenger (dank DJ Manni) (Iggy Pop, 1977)
  • Alles aus Liebe (Die Toten Hosen, 1993)
  • Time to wonder (Fury in the Slaughterhouse, 1988)
  • Schrei nach Liebe (Die Ärzte, 1993)
  • Alive (Pearl Jam, 1991)
  • Blaze of glory (Bonjovi, 1990)

 

Eure VME (nun mächtig alt…und weise;-))

Ein Lied sagt mehr als 1000 Worte, und viele Lieder aus dem Soundtrack meines Lebens sagen mehr als alle Fakten meiner Komplettbiografie über mich.

Der Soundtrack unseres Lebens ist die Musik, die uns im Alter zwischen 12 und 25 Jahren am meisten begeistert. Das hat schon Eckart von Hirschhausen publiziert und dabei auf eine Studie über die heilsame Wirkung von Musik, die Erinnerungen geschaffen hat, für Demenzkranke verwiesen.

Ich möchte mich Euch näher vorstellen, und fange daher einfach einmal mit meiner Liste von Jugendlieblingsliedern an. Diese hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird laufend ergänzt werden.

Außerdem möchte auch ich Euch besser kennen lernen. Was ist der Soundtrack Eures Lebens? Was verbindet Ihr mit einem Song? Wer seid Ihr also?

Ich freue mich auf Euch!

Eure VME

 

Und hier geht´s los zu mir:

  • What´s up?! (4 Non Blondes, 1992)
  • Everything I do (Bryan Adams, 1991)
  • Under the bridge (Red Hot Chili Peppers, 1991)
  • Are U gonna go my way (Lenny Kravitz ,1993)
  • November Rain (Guns N´Roses, 1991)
  • Smells like Teenspirit (Nirvana, 1991)
  • Black hole sun (Soundgarden, 1994)
  • Two princes (Spin Doctors ,1992)
  • Pride (U2, 1984 – dank Fantasy hier reingeraten, einfach coole Band – alltime favorit)
  • Papa was a rolling stone (Version George Michael, 1993)
  • Enter Sandman (Metallica, 1991)

 

to be continued …